BGE_RHEIN MAIN

Kigi

“Kann man sich hier anmelden, um das Bedingungslose Grundeinkommen zu kriegen?”

Mann spricht an Infostand des BGE Rhein-Main mit Aktivisten

Mit einem verschmitzten Lächeln und dieser Frage tritt ein Rentner an unseren Stand, um uns seine Zustimmung zur Idee des Grundeinkommens mitzuteilen. Er und seine Frau hätten zwar ihr Auskommen, aber es würde doch ihr und das Leben so vieler Menschen erleichtern, wenn das BGE endlich Wirklichkeit würde. Noch weitere Personen traten an unseren Infostand, den wir gestern im Rahmen des Frankfurter Museumsuferfestes im Metzlerpark aufschlugen, um sich mit uns zum BGE auszutauschen, zu ihren Sorgen über die steigenden Lebenshaltungskosten, besonders im Bereich Energie, zur Zukunft der jungen Generation, auf die so viele Lasten zukommen würden mit einem Sozialstaat, der nicht mehr halten können würde, was er verspricht.

Ein Vater von drei bald erwachsenen Kindern würde gerne etwas kürzer treten mit der Erwerbsarbeit, aber er wolle seinen Kindern erst möglichst alle Chancen, die von finanziellen Voraussetzungen abhingen, bieten können, damit sie einen guten Start ins Eerwchsenenalter schafften. Auch eine alleinstehende Frau, die jede Woche vierzig Stunden ihrer Lebenszeit in einen – in ihren Augen – undankbaren Job in einem Callcenter steckt, würde gerne mehr Zeit haben um sich um ihre alte Mutter zu kümmern, die in einem Altenheim lebt. Aber eine Arbeiszeitreduzierung könne sie sich eben finanziell einfach nicht leisten. Auch ein weiterer Familievater, beruflich als Betriebsarzt tätig, der sich als privilegiert benennt, weil sein Lohneinkommen so hoch ist, dass die Familie davon leben kann und seine Frau ihrem Beruf als Krankenschwester rein aus Berufung, nicht aus finanzieller Notwendigkeit weiter nachgeht, daher auch nicht an Überlastung leidet, da sie nur teilzeit arbeitet, ermutigt uns, weiter für eine Verbreitung der Idee des BGEs zu streiten. Es sei eine so positive und notwendige Stellschraube in einer gesellschaftlichen Veränderung, die immer dringender würde! In seinem Umfeld, so versichert er uns, seien ein gutes Dutzend Menschen vollkommen von der Idee des BGE überzeugt.

Unsere Strassenaktion, die erste nach Corona in einem Ambiente des sommerlichen Volksfestes, bei dem sich Menschen trafen, um gemeinsam einige Stunden unbekümmert zusammen zu verbringen, wo kleine Kinder herumtobten, Babys ihre ersten Krabbelversuche auf dem trotz anhaltender Dürre herrlich saftig grünen Rasen machten, war so derart aufbauend, dass wir doppelt so lange vor Ort verblieben, als wir eigentich geplant hatten.

Ja, es kamen auch zwei oder drei Skeptiker vorbei, die vor allem die Finanzierbarkeit eines BGEs bezweifelten, die davor Angst hatten, dass bestimmte ungeliebte Arbeiten (die sie persönlich ja auch nicht ausführen, wohl aber davon profitieren wollten, weil auch ihr Wohlstand und Wolhbefinden davon abhängt, z.B. Sauberkeit des öffentlichen – und privaten – Raums) mit einem BGE von niemanden mehr ausgeführt werden würden.

Brauchen wir Sklaverei oder Zwangsarbeit, damit der Wohlstand und das Wohlbefinden mancher (“aller”  – wer ist denn damit gemeint?) gewährleistet ist? Oder: wie kann man Menschen dazu motivieren, frei und selbstbestimmt (gesellschaftlich und privat) notwendige Arbeit zu erledigen? Kann Freiheit bedeuten, dass jemand wählen muss zwischen Sterben an Hunger oder sich damit abfinden, Dinge zu tun, die er oder sie nicht machen möchte?

Einige Personen waren zwar für ein Grundeinkommen, aber nur, wenn dafür auch “etwas für das Gemeinwohl” getan wird. Das Narrativ des Tausches (und des Marktes) sitzt da ganz tief. Diese Menschen vergessen, dass wir alle das Leben “geschenkt” bekommen. Und dass wir, wenn wir bis zu dem Alter überleben, in dem wir “selbst für uns sorgen” können, dann weil irgendjemand für uns gesorgt hat, den nicht wir bezahlt haben.

Wer entscheidet, was Gemeinwohl ist? Wer entscheidet, was wer tun soll? Mit welcher Legitimität?

Das BGE wirft allerlei Fragen auf. Auf die wir oft auch keine Patentantworten haben, sondern die wir zusammen eruieren müssen. Was würde es verändern, für wen und wie? Wollen wir das? Warum? Oder warum nicht?

Es ist also ein sehr spannendes Thema. Es kann definitiv nicht alle Probleme lösen. Aber wir sind – mit der Mehrheit unserer Gesprächspartner:innen am Stand – der Überzeugung, dass es sich lohnt, sich dafür einzusetzen, dass es von der Mehrheit der Mitbürger:innen gewollt wird.

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