28/01/2026
Unser Mitglied Eric hat am 27.01.26 eine Beschwerde beim Deutschen Presserat eingereicht über den Artikel "Arbeit haben oder nicht Arbeit haben, das ist hier die Frage" von Eva Fischer in der taz.
Wie so oft in den deutschen Medien wird hier die Öffentlichkeit über das Phänomen "Arbeit" in die Irre geführt. Laut Pressekodex gelten folgende Ethische Standards für den Journalismus (Auszug):
1. Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde
Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse. [...]
2. Sorgfalt
Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben.[...]
12. Diskriminierungen
Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.[...]
Gegen die beiden ersten Ziffern verstösst der Beitrag unmittelbar. Das führt zur Diskriminierung (pauschalen Abwertung, Benachteiligung und Ausgrenzung) von Menschen.
Hier die Beschwerde im Wortlaut:
In dem kompletten Artikel wird, angefangen von der Überschrift, die Identität von "Arbeit" mit "Erwerbsarbeit" behauptet, was in der Realität nicht stimmt. Wer sich ein bisschen mit dem Thema beschäftigt, weiss, dass es in Deutschland und weltweit eine Menge Arbeit gibt, die nicht bezahlt wird und trotzdem notwendig ist.
Diese gezielte Verzerrung der Realität ist hoch problematisch, da mit ihr auch die Menschen unsichbar gemacht werden, die die unsichbare Arbeit tun (v.a. Haus- und Sorgearbeit, aber auch jegliches bürgerschaftliches Engagement für die Gesellschaft, die Demokratie usw.).
Ferner heisst es: "Tatsächlich ist es ein menschliches Grundbedürfnis, etwas zu erschaffen[...]." Das ist richtig. Allerdings gibt es keinerlei Evidenz, dass dieses "Erschaffen" in Form von Erwerbsarbeit stattfinden muss.
Dass die Menschen, die die unbezahlte Arbeit tun, unsichtbar gemacht werden, führt in der politischen Realität dazu, dass ihre Existenzsicherung keine Priorität bekommt oder sogar aktiv unter Beschuss genommen wird. Dadurch verschlimmert sich die Care-Krise, d.h. es wird für Menschen immer schwerer, die wirklich notwendige Arbeit zu tun.
Eric Manneschmidt, 27.01.26, Frankfurt am Main
P.S.
Übrigens gibt es auch positive Beispiele in der Berichterstattung, hier zwei davon:
Christopher Wimmer im Neuen Deutschland am 15.10.2025 Schlimmer als das Hartz-IV-Regime
Selma Hornbacher-Schönleber in der Frankfurter Rundschau am 22.01.2026
Demokratie-Krise durch Superreiche: Wie Privatvermögen die Politik kontrolliert