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Vom Automobil und dem Bedingungslosen Grundeinkommen für alle

Das Automobil hat einen ziemlich irreführenden Namen. Es bewegt sich nämlich gar nicht von selbst, man muss es vielmehr in der einen oder anderen Art mit Energie versorgen. Genau wie z.B. Pferde, Radfahrer oder Fußgänger, wobei diese allerdings sowieso – auch wenn sie sich gar nicht bewegen würden – mit Energie versorgt werden müssen.

Das ist ein ziemlich wichtiger, aber oft vernachlässigter Aspekt, denn das Automobil braucht also immer eine ganze Menge Ressourcen, das beginnt bei seiner Herstellung und endet noch nicht beim Betrieb. Diese Kosten werden regelmäßig unterschätzt und auch nur zum Teil von den Menschen getragen, die so ein Auto besitzen oder benutzen. Ein großer Teil der Kosten wird externalisiert und in Form von Umwelt- und Gesundheitsschäden sowie dem Unterhalt der Infrastruktur von der Gesellschaft getragen.i Hinzu kommen militärische und andere Maßnahmen zur Sicherung von Seewegen und für den Zugriff auf Rohstoffe in anderen Teilen der Welt.

Nichtsdestotrotz kommt in Deutschland in den Qualitätsmedien kaum ein Beitrag über die hiesige „Wirtschaft“ ohne eine Abbildung einer Herde meist sinnlos auf einem Werksparkplatz herumstehender Autos aus.

 

Aktuell treibt diese deutsche Begeisterung für das Automobil besonders bizarre Blüten: Im Zusammenhang mit „Linken Bündnissen gegen den Sozialkahlschlag“ wird die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Jasmin Fahimi in der Frankfurter Rundschau mit den folgenden Worten zitiert: „Wird ein deutsches Auto dadurch attraktiver, dass die Menschen bei einem Rezept mehr zuzahlen müssen?“ii

Auch die IG Metalliii sowie diverse Spitzenpolitiker (eingeschlossen der Grüne Ministerpräsident Baden-Württembergs Cem Özdemir) fordern staatliche Eingriffe, um der Automobilindustrie unter die Arme zu greifen.iv

Es geht dabei nicht um Mobilität oder volkswirtschaftliche Wertschöpfung, sondern um „Arbeitsplätze“. Der dm-Gründer Götz Werner nannte diese ganz treffend „Einkommensplätze“, da es eben gar nicht um (sinnvolle oder notwendige) Arbeitv geht, sondern darum, Menschen mit einem Einkommen zu versorgen, welches wir ja alle zum Leben brauchen.

Die Begeisterung für das Automobil hat freilich noch andere Gründe: Einerseits kann es wirklich dabei helfen, mit geringem Zeitaufwand notwendige oder sinnvolle Wege zurückzulegen, wenngleich es keineswegs sicher ist, dass das gelingt oder nicht andere Verkehrsmittel nicht doch die bessere Alternative wären (Stau, Unfälle, Pannen usw.). Es ist u.U. aber auch noch ein Statussymbol und dient zur Volksbelustigung bzw. als Ventil für jene, die sonst wenig Spaß im und Kontrolle über ihr Leben haben, Rainer Grießhammer schreibt in der Frankfurter Rundschau zutreffend von „Brot und Spiele“-Politik (wenngleich er hier doch weitgehend bei der Forderung nach einer Umstellung auf Elektro-Autos stehen bleibt).vi

 

Im Zusammenhang mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen sind folgende Aspekte relevant:

1. Ein BGE für alle würde dazu führen, dass keine Arbeitsplätze mehr geschaffen oder gerettet werden müssen, nur damit Menschen ein Einkommen haben. Arbeit könnte wieder einen echten Sinn haben. Das beträfe nicht nur die Automobilindustrie bzw. den Autobahnbau selbst, sondern auch andere Jobs, die heute lange Pendelwege und -zeiten verursachen und damit vermeidbaren Verkehr erzeugen.

2. Mit einem BGE hätten alle Menschen mehr Zeitwohlstand und mehr Zeitsouveränität, sie könnten ihre Wege und Tagesabläufe entspannter und mit weniger Hetze planen. Es ist zum Beispiel nicht so arg durchdacht, möglichst viele Strecken mit dem Auto zurückzulegen, um dann dreimal in der Woche ins Fitnessstudio zu fahren, damit der Körper doch noch ein wenig Bewegung bekommt.

3. Da das BGE ein Akt der gegenseitigen Fürsorge ist und die Verbundenheit stärkt, würde es wohl die Wahrnehmung der externen Effekte unseres Verhaltens stärken. Wer heute Mobilität nur unter dem Gesichtspunkt des eigenen kurzfristigen Vorankommens betrachtet, könnte auch die Umweltauswirkungen oder die Unfallgefahren für andere mit einbeziehen und sein Mobilitätsverhalten entsprechend verändern.

4. Wir können davon ausgehen, dass mit einem BGE das Bedürfnis nach Statuskonsum abnehmen wird, da sich sowohl die soziale, als auch die gefühlte und reale ökonomische Gleichheit erhöht. Menschen würden vielleicht hin- und wieder noch ein Auto nutzen, müssten aber nicht mehr selbst eines besitzen.

5. Aufgrund abnehmender materieller Unsicherheit und Entfremdung und zunehmender Lebensqualität dürften das Bedürfnis nach dem Erleben von Geschwindigkeitsrausch und die allgemeine Zerstörungswut zurückgehen.

Insgesamt dürfte die Automobilnutzung daher wohl stark abnehmen, rationaler werden und sich weitgehend auf die Fälle beschränken, wo das Auto wirklich notwendig bzw. vorteilhaft ist zur Bewältigung von Wegstrecken. Der völlig überzogene weitere Ausbau von Autobahnen und Straßen dürfte ein Ende haben.

Für uns ist das auch deshalb ein Thema, weil jeder Euro, der in volks- bzw. weltwirtschaftlich schädlichen Aktivitäten verbraten wird, am Ende bei der Finanzierung des Bedingungslosen Grundeinkommens und anderer Gemeinschaftsaufgaben fehlt – also für das Gute Leben für alle.

Aus diesen Gründen sind wir schon vor einiger Zeit dem Bündnis Stopp A5-Ausbau beigetreten und verlinken auf unserer Seite auf die Vorführung des Films Cycling Cities am 18.10. um 19:30 Uhr im Rahmen der Filmreihe unserer Partnerorganisation Transition Town Darmstadt.

 

Eric Manneschmidt, 11.10.2026

 

Zum Weiterlesen:

 

J.Larochelle & C.A. L’Hirondelle: Jobismus

Jobismus ist der Glaube, dass Jobs (Erwerbsarbeitsplätze) die Lösung aller sozialen und wirtschaftlichen Probleme sind.

 

Prof. Günther Moewes: Beschäftigungsstaat oder Vermeidungsgesellschaft?

 

Josephine Tröger und Marlis Wullenkord: Bedingungsloses Grundeinkommen – ein Schlüssel zur Suffizienz?

 

Prof. Günther Moewes: Arbeit ruiniert die Welt

 

David Graeber: Bullshit Jobs

 

Warum und wie Klimaschutz und das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) zusammenhängen (16.9.2023)

 

Offener Brief an das Bündnis für einen starken und zukunftssicheren Sozialstaat (1.5.2026)

 

Der britische Ökonom Prof. Guy Standing: ‚The idea that could fix the economy overnight‘

 

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